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Die Gemeindefinanzen von Pratteln 1.
Teil: Wie
Pratteln über seinen Verhältnissen lebt Betrachtet
man die Entwicklung der Verschuldung von Pratteln auf Abbildung 1, sieht
man, dass diese in den Jahren 1982-1985 leicht rückläufig war. |
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Von
1985 (22.8 Mio. Fr.) stieg sie bis 2002 (64.2 Mio. Fr.) um beinahe das
Dreifache. Die Steuereinnahmen von natürlichen und juristischen
Personen entwickelten sich aber nicht gleich. Sie stiegen von 20.0 Mio.
Fr. (1985) auf nur 31.9 Mio. Fr. (2002). Das heisst, all die Jahre
hindurch, hat Pratteln für jeden zusätzlichen Franken Steuereinnahmen
3.50 Fr. Schulden gemacht. Man könnte erwarten, dass ein derartiger
Anstieg der Verschuldung sich automatisch auf die Schuldzinsen
niederschlägt. |
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Dies
ist - wie aus Abbildung 2 ersichtlich - nicht der Fall, denn die
Zinssätze sind seit 1999 laufend gesunken. Hier tickt aber eine Zeitbombe
– wenn die Zinsen wieder anziehen, muss Pratteln plötzlich mehr Geld
für Zinszahlungen aufwenden und dieses Geld hat Pratteln dann nicht mehr,
denn die Einsparungen bei den Zinszahlungen wurden an andern Orten bereits
wieder ausgegeben ... |
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Die
Entwicklung der Steuereinnahmen der natürliche und juristischen Personen
ist in Abbildung 3 zu sehen. Die Steuereinnahmen des Jahres 2002, dem
ersten Jahr mit einjähriger Veranlagung, ist eine Schätzung. Man kann
sich fragen, warum Pratteln nach neun (!) Jahren mehr oder weniger
konstantem Steueraufkommen plötzlich 2.7 Mio. Fr. mehr an Steuern
erhalten soll. Sollte diese Schätzung nämlich nicht zutreffen, hätte
das eine katastrophale Auswirkung auf das Eigenkapital. Das Eigenkapital
ist ein Mass für die finanzielle Gesundheit einer Gemeinde. Diesen
Begriff kennt man auch in der Privatindustrie. Hat eine Firma ihr
Eigenkapital aufgebraucht, muss sie den Konkurs anmelden. |
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| Auf der Abbildung 4 sieht man, dass Pratteln Ende 2002 noch ein Eigenkapital von 1.6 Mio. Fr. hatte. Ist die Schätzung der Steuereinnahmen aber zu hoch, reduziert sich das Eigenkapital um diesen Betrag. Hier tickt schon wieder eine Zeitbombe – solange nicht von alle Steuerpflichtigen die definitive Veranlagung für 2002 gemacht wurde, weiss niemand, ob Pratteln überhaupt noch Eigenkapital besitzt ... |
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Auf
der Abbildung 5 sieht man die Bruttoausgaben nach Funktionen in den Jahren
1982 und 2002. |
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| Dabei
stechen drei Funktionen ins Auge: Bildung, Soziales und die Verwaltung.
Mit dem neuen kantonalen Bildungsgesetz wird sich bei der Funktion Bildung
vieles ändern. Daher wird dieser Kostenblock weggelassen. Somit kommen
wir zum zweitgrössten „Brocken“ und der heisst „Soziale
Wohlfahrt“. Wenn man dieses Wachstum der Ausgaben sieht, kommen mit
Sicherheit Gedanken auf, aha hier wird unser Geld „verschwendet“. Aber
dieses Vorurteil ist falsch. Auf der Abbildung 6 ist dieser Kostenblock
weiter unterteilt. |
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Hier
sieht man, dass unter der Funktion Soziales der grösste Teil vom Bund
oder vom Kanton vorgeschrieben wird. Die Teile AHV, IV und Ergänzungsleistungen
(EL) sind nicht etwa die Arbeitgeberbeiträge an die AHV/IV. Es sind zusätzliche
Zahlungen, die der Kanton im Auftrage des Bundes von den Gemeinden
verlangt. Der Teil Asylwesen ist auch eine Aufgabe, welche der Bund über
den Kanton an die Gemeinden delegiert hat. Übrigens bezahlt der Bund
diese Aufwendungen vollumfänglich. Der grösste „Schnitz“ ist die
Sozialhilfe (früher Fürsorge) welche vom Kanton vorgeschrieben ist. Der
Kanton überprüft in diesem Bereich alle Entscheide der Sozialhilfebehörde
welche zu Zahlungen führen. Nur die dunkel schraffierten Schnitze sind
die tatsächlichen Ausgaben der Funktion „Soziale Wohlfahrt“ zu denen
Pratteln etwas zu sagen hat. Diese drei verbleibenden Aufgaben entsprechen
Fr. 1'360'698 also noch weniger als für die Funktion „Umweltschutz“
– wahrlich ein soziales Pratteln ... |
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| 3. Teil: Allgemeine Verwaltung - ein Fass ohne Boden? |
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Unter
der „Allgemeinen Verwaltung“ versteht man die Verwaltung im engeren
Sinne, also beinahe alle Personen welche auf der Gemeindeverwaltung
arbeiten, aber ohne Polizei, Sozialdienst und Arbeitsamt. Die Abbildung 7
zeigt die indexierte Entwicklung der Personalkosten der „Allgemeinen
Verwaltung“ sowie die der Teuerung. |
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| Man sieht, dass sich bis ins Jahr 2000 die Teuerung und die Lohnkosten ziemlich parallel entwickelt haben. Von da an wachsen die Lohnkosten aber wesentlich stärker als die Teuerung. Die Teuerungsrate betrug vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2004 ca. 2.7 %. Die gesamten Lohnkosten der Gemeinde (Konto 301) ohne "Allgemeine Verwaltung" beliefen sich im Jahr 2000 Fr. 7'522'532. Im Budget 2004 sind Fr. 7'685'922 vorgesehen. Dies entspricht einem Wachstum von 2.17 % also weniger als die Teuerung. Die Lohnkosten der "Allgemeinen Verwaltung" betrugen im Jahr 2000 Fr. 2'491'334 und im Jahr 2004 (gemäss Budget) Fr. 2'995'600. Dies entspricht einem Wachstum von 20.24 % (!). Es ist bekannt, dass Pratteln langsam das Geld ausgeht, oder anders ausgedrückt, dass das Eigenkapital wegschmilzt wie der Schnee an der Sonne. In der Privatwirtschaft würde man längst Sanierungsmassnahmen in die Wege leiten (Einstellungsstop oder gar Entlassungen) - nicht so in Pratteln: hier baut man den Personalbestand weiter auf (Bewilligung von 3 neuen Stellen durch den Einwohnerrat am 28.03.2003). Dies erklärt diesen Anstieg aber nur zum Teil - woher der andere Teil dieser Personalkostensteigerung kommt, bleibt eine offene Frage. Ein mögliche Antwort wäre, dass die zusätzliche Hierarchiestufe auf der Verwaltung so teuer sind. In der Privatwirtschaft baut man Hierarchien ab - in Pratteln baut man sie auf - eine verkehrte Welt. |
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| Betrachtet man den Vergleich der Ausgabenentwicklung (Gesamtkosten) vom Jahr 2002 zum Budget 2004 in Abbildung 8 stellt man fest, dass die Gesamtkosten bei allen Funktionen rückläufig sind, mit drei Ausnahmen: Umweltschutz, Verkehr und Allgemeine Verwaltung. Die Erklärung für das Wachstum der Ausgaben im Umweltschutz ist einfach: höhere Kosten für die Entsorgung des Abfalls. Das Gleiche gilt beim Verkehr: höhere Abgaben an den Kanton für den Regionalverkehr und bei der Allgemeinen Verwaltung? Da fehlt eine plausible Erklärung ... Die Situation ist absurd - da wird überall gespart und es werden Leistungen abgebaut, welche den Prattler Einwohner/-innen etwas bedeuten, und gleichzeitig gibt man mehr für die Verwaltung aus. Ob dies im Sinne der Prattler Bevölkerung ist, fragt niemand - oder fast niemand ... |
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| 4. Teil: Sozialhilfe(behörde) - keine Missstände! |
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Viele
Leserbriefe und politische Vorstösse betreffend der Sozialhilfekosten
oder der Sozialhilfebehörde zeugen von einer erschreckenden Unkenntnis
der rechtlichen und finanziellen Situation. Es wird immer von der irrigen
Annahme ausgegangen, dass der Gemeinderat das oberste Gremium von Pratteln
sei und daher auch alles kontrollieren könne. Diese Meinung ist falsch!
Tatsache ist, dass es in Pratteln drei von einander unabhängige Behörden
gibt. Es sind dies, der Gemeinderat (GR), die Sozialhilfebehörde (SHB, früher
Fürsorgebehörde) und die Vormundschaftsbehörde (VB). Jede dieser Behörden
entscheidet völlig unabhängig von der andern. In Abbildung 9 sieht man
diese, von den Gesetzgebern gewollte, Abgrenzung sehr gut. |
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Die
rechtlichen Kompetenzen ...
Was
bedeutet dies nun für die Prattler Finanzen? Weder der Gemeinderat noch
der Einwohnerrat können auf die im Sozialhilfegesetz vorgesehenen
Sozialhilfebeiträge Einfluss nehmen. Darüber entscheidet einzig und
allein die Sozialhilfebehörde. Gibt also die Sozialhilfebehörde zuviel
Geld aus? |
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Nein,
denn betrachtet man Abbildung 10, sieht man den direkten Zusammenhang
zwischen den in Pratteln als arbeitslos gemeldeten Personen und den
ausbezahlten Sozialhilfebeiträgen deutlich. Wird in Pratteln eine Person
arbeitslos, erhöht dies früher oder später die Ausgaben für die
Sozialhilfe. Damit diese Ausgaben, welche ja am Gemeinderat und
Einwohnerrat vorbei getätigt werden, auch zu recht erfolgen, wird jede
einzelne dieser Ausgaben von der kantonalen Aufsichtsbehörde
kontrolliert. Warum
steigen dann die Sozialhilfebeiträge immer weiter an? Weil in Pratteln
die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren stetig zunahm. Diese
Arbeitslosigkeit kommt von Unternehmen, die Personal abbauen und sich so
auf Kosten der Gemeinde, sprich Sozialhilfe, sanieren. Dagegen sind
Gemeinderat, Einwohnerrat und Sozialhilfebehörde machtlos ... |
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