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Die Kontroverse
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Die Kontroverse |
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Mit Weitsicht und Weitblick von Ruedi Brassel, Gemeinderat |
Pratteln – quo vadis? von Christine Gogel, SP-Vizepräsidentin |
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Das Hauptproblem der baulichen Entwicklung unserer Gesellschaft heisst Zersiedelung. Immer mehr Fläche wird durch wuchernde Einfamilienzonen und den Verkehr, den diese nach sich ziehen, beansprucht. Daneben entstehen Industriebrachen in besterschlossenen Gebieten. In Pratteln kennen wir diese Entwicklung besonders gut. Und wir haben zum Teil schon gehandelt. Zum Schutz unseres Naherholungsraumes haben wir - massgeblich die SP Pratteln - vor ein paar Jahren die Überbauung des Blözengebiets verhindert. Dies mit dem Argument, dass der nachgefragte Wohnraum durch Verdichtung im bestehenden Baugebiet gedeckt werden soll. Jetzt gilt es, damit Ernst zu machen. Der Quartierplan Häring/Coop-Areal ist eine gute Antwort auf dieses Anliegen. An einer Lage, die mit dem öff entlichen Verkehr bestens erschlossen ist, sollen Wohnungen und Geschäftsräume entstehen. Für den gesamten Quartierplan sind 70% Wohnnutzung vorgesehen, für den Hochhausturm gar nur etwa 50%. Die im Quartierplan vorgeschriebene maximale Wohnnutzung sieht Wohnraum für 564 Personen vor. Und das in hochwertigem Wohnraum und zentrumsnah, weshalb die heraufbeschworene "Verslumung" - allenfalls ein Phänomen in peripheren Hochhausquartieren - nicht zu befürchten ist. Mit dem Hochhaus wird ein neuer städtebaulicher Akzent gesetzt, der das Gebiet um den Bahnhof kennzeichnen soll. Das vom Gemeinderat verabschiedete Hochhauskonzept hat den dafür vorgesehenen Perimeter klar umschrieben. Pratteln macht eine dynamische Entwicklung durch. Aber sie ist planerisch weit besser vorbereitet als noch vor 10 oder 20 Jahren. Dass diese Dynamik auch neue architektonische Ausdrucksformen findet, ist logisch. Das Bauen in die Höhe ist dabei Ausdruck einer raumplanerischen und auch ökologischen Weitsicht. Das Bauen in die Höhe steht aber auch symbolisch für den Weitblick, den wir in Pratteln gewinnen müssen, um die Herausforderungen der Entwicklung, die längst im Gang ist, meistern zu können. Und es ist ein Beitrag, die Zersiedelung in die Breite zu stoppen, damit wir unseren Lebensraum lebenswert erhalten können. |
Das Prattler Ortsbild würde sich durch Hochhäuser massiv verändern: gut, dass das Stimmvolk dazu befragt wird. Wenn ortsansässige Investoren sich für lokale Grossprojekte engagieren, ist dagegen sicher nichts einzuwenden. Doch ist der Standort dafür, inmitten des Dorfes – oder sagt man in Zukunft „downtown?“ – der falsche. Was Pratteln im Zentrum gut tun würde, sind Zuzüge aus dem Mittelstand: junge Familien mit Kindern, welche die hiesigen Schulen besuchen. Eltern, die sich aktiv am Dorfgeschehen beteiligen. Ich bezweifle, ob die in Aussicht gestellte Mieterklientel wirklich angezogen wird. Ich glaube nicht daran, dass besagte Familien sich in Hochhäuser ansiedeln werden. Pratteln würden Siedlungen gut tun, 2 – 3 geschossig, Reihenhäuser. Hochhäuser aber ziehen durch ihre Anonymität eher Singles, Yuppies, Dinks (double income,no kids) an, welche den Wohnort häufiger mit dem Arbeitsort, oder dem Lebenspartner wechseln. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Hochhäuser oft zur „Verslumung“ neigen und nicht familienfreundlich sind. Was geschieht, wenn die Wohnungen leer bleiben? (siehe Albanhof am Bahnhof) Wird dann der leerstehende Wohnraum öffentlich subventioniert und als Sozialwohnung ausgewiesen? Ich persönlich kann einem Hochhaus nichts Positives abgewinnen. Weder finde ich eine Skyline bestehend aus mehreren Hochhäusern attraktiv, noch reizt mich der futuristische Ausblick über unser bereits schon genug entstelltes Dorf. Grossüberbauungen, mit den daraus resultierenden Problemen, haben wir in Pratteln genug. Die Sünden der Vergangenheit müssen nicht erneut begangen werden. Eine Wurzel des Kapitalismus ist der Glaube an ewiges Wachstum (in die Höhe?). Rütteln wir an diesen Wurzeln! Ich wünsche mir für Pratteln in Zukunft ein qualitatives, anstatt quantitatives Wachstum. Die Weichen, welche wir nun einmal mehr für Pratteln stellen werden sind weittragend – darüber soll in der Volksdebatte ausführlich diskutiert werden. |